Umweltkatastrophen

Eine Umweltkatastrophe oder ökologische Katastrophe ist eine von Menschen verursachte, plötzliche und äußerst starke Beeinträchtigung der Umwelt, die die Krankheit oder den Tod von vielen Lebewesen zur Folge hat. Dies macht den deutlichen Unterschied zur Naturkatastrophe aus, die ihre Ursache in rein natürlichen, nicht vom Menschen beeinflussten Vorgängen hat.

Eine Umweltkatastrophe wird meist ausgelöst durch einen Betriebsunfall (wie z. B. der Dioxin-Unfall von Seveso 1976, das Bhopalunglück von 1984, die nukleare Katastrophe von Tschernobyl 1986, die Öltanker-Unfälle Amoco Cadiz 1978, Exxon Valdez 1989 oder Prestige 2002) und Verkehrsunfälle z. B. von Tanklastwagen mit Gefahrengut. Es kann sich aber auch um die Folgen schleichender Umweltverschmutzung handeln, die dann in relativ kurzer Zeit gravierend sind bzw. wahrgenommen werden wie z. B. der Treibhauseffekt, das Ozonloch, das Waldsterben oder die Austrocknung des Aralsees. Im Bereich der Luftverschmutzung stellt die Smog-Katastrophe in London 1952 ein bekanntes Beispiel dar.

Einiges deutet darauf hin, dass Umweltkatastrophen eine große Rolle bei der Entwicklung des Umweltbewusstseins spielen. Während die Umweltverschmutzung oft schleichend oder für die menschlichen Sinnesorgane nicht wahrnehmbar ist, lösen Umweltkatastrophen durch ihre Plötzlichkeit und Heftigkeit bei vielen Menschen Ängste und Sorgen aus und lassen so Umweltbewusstsein und aktiven Umweltschutz wachsen.

Umweltkatastrophe als Schadensursache und Schaden

Umweltkatastrophen verursachen Schäden und diese Schäden haben Ursachen, die nur bedingt durch Haftpflichtversicherungen und Liegenschaftsversicherungen abgedeckt sind (z. B. der durch die Gebäudeversicherung abgedeckte Schaden durch abstürzende Satellitenteile). Umweltschäden katastrophalen Ausmaßes können durch Brandstiftung oder Achtlosigkeit und Unaufmerksamkeit ausgelöst werden, so die zur Umweltkatastrophe erwachsende Brandkatastrophe oder Unfall eines Gefahrenguttransporters zu Land, zu Luft oder zur See. Geringfügige Ursachen können sowohl durch den Ketten- oder Domino-Effekt wie durch den Schmetterlingseffekt durchaus Naturkatastrophen auslösen. Doch schon der durch Klimaveränderung vorbereitete katastrophale Flutschaden sprengt die Grenzen des herkömmlichen Elementarschadens.

Die Wunden der Erde

Wer hoch genug fliegt, erkennt mühelos die Wunden, die eine rohe Naturgewalt der Erde zufügt: der Mensch. Wie schnell er die Natur zerstören kann, zeigt sich am Beispiel einer einsamen Pazifik-Insel vor 250 Jahren.

Astronaut James Irwin geriet förmlich ins Schwärmen: »Die Erde erinnert mich an eine Christbaumkugel, die im Weltraum hängt, die schönste, die du dir vorstellen kannst. So zerbrechlich, so zart.« Ähnlich poetisch wie der Pilot der Landekapsel der Apollo-15-Mondmission sprechen viele Raumfahrer über den Blauen Planeten. »Die Erde ist die Mutter, und wir sind ihre Kinder«, beschrieb Aleksander Alexandrow, Ingenieur an Bord der sowjetischen Sojus-T-9-Rakete, seine Gefühle. »Bitte lasst uns alle auf diesen Schatz achten, auf dem wir leben«, funkte der deutsche Astronaut Thomas Reiter zur Erde.

Die Erde als Mutter – ein Bild, das schon in den Mythen vieler Urvölker auftaucht

Heute ist sie eine Mutter, die mit schwindender Kraft ihren Nachwuchs und sich selbst am Leben erhält. Verletzungen und Verwundungen hat sie immer schon hinnehmen müssen, ihre Haut ist von Hunderten riesiger Narben bedeckt, die ihr Meteoriten zufügten, als sie noch jünger war. Nun hat sie es mit einer neuen Naturgewalt zu tun, die ihr im Lauf von ein paar Jahrzehnten noch größere Wunden beigebracht hat. »Der Mensch ist zur neuen Naturgewalt geworden, die der Erde das Überleben schwer macht«, sagt Al Gore, Ex-Vizepräsident der USA und Friedensnobelpreisträger 2007. Fliegt man in 100 Kilometer Höhe um die Erde, also etwa dort, wo der Weltraum beginnt, kann man die Wunden gut erkennen, die diese neue Naturgewalt geschlagen hat.

Wie kurz der Weg in eine mögliche Umweltkatastrophe sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Vergangenheit. Am 5. April 1772, einem Ostersonntag, entdeckte der holländische Seefahrer Jacob Roggeveen im Südostpazifik eine Insel mit rätselhaften, 20 Meter hohen Steinstatuen (Moai). Ein wohlhabendes Fischer- und Seefahrervolk lebte hier in völligem Frieden auf einer der abgelegensten Inseln der Welt und hatte eine blühende Kultur aufgebaut. Roggeveen nannte das Eiland Osterinsel. Als 52 Jahre später Kapitän James Cook dort eintraf, fand er nur noch wenige halb verhungerte und verängstigte Menschen in Steinhöhlen vor, die riesigen Statuen lagen umgestürzt im Sand. Kein Baum stand mehr auf der Insel, so gut wie nichts Essbares war zu finden.

Bis heute ist unklar, was vorgefallen war. Wissenschaftler vermuten, dass die Bewohner alles Holz ihrer Insel für den Schiffbau verbrauchten und die Sonne den Boden verbrannte, bis nichts mehr darauf wuchs. Fand hier im Zeitraffer eine Selbstausrottung statt, wie die Menschen sie 250 Jahre später in viel größerem Stil erneut in Gang setzen?

Der neue Goldrausch
In Kanada wird die Tundra aufgerissen, um an riesige Ölreserven heranzukommen

100 Milliarden US-Dollar haben Erdölkonzerne in den letzten Jahren in den Tundra-Boden der kanadischen Provinz Alberta gesteckt – eine der wirtschaftlich aufregendsten Investitionen des neuen Jahrhunderts. Denn hier in den Athabasca-Ölsänden am Peace River und am Cold Lake lagert etwa ein Drittel der weltweiten Rohölbestände. Kanada hat mit einer Million Barrell, die täglich gefördert werden, Saudi-Arabien als Haupt-Öllieferant der USA abgelöst. Bis 2015 werden es drei Millionen sein.

Ein 43.800 Quadratkilometer großes, 70 Meter tiefes Tagebau-Areal klafft in der kanadischen Wildnis, in absehbarer Zeit soll es auf 140.000 Quadratkilometer anwachsen, ein Drittel der Fläche Deutschlands. Kanada wird damit neben Venezuela zu dem Land mit den größten Ölsandvorkommen: 1,8 Billionen Barrell warten darauf, abgetragen und ausgewaschen zu werden. Die größten Bagger und Trucks der Welt werden dafür konstruiert, ebenso neue Formen der Wasserlogistik: 500 Millionen Liter täglich werden laut Greenpeace verbraucht, um das Öl aus dem Sand zu waschen. Die Abwässer werden in die Landschaft der Umgebung geleitet, die Zerstörung der sogenannten borealen Zone, der Wälder, Moore und Flüsse in diesem nördlichsten Ökosystem der Erde, ist dramatisch. 80 Kilogramm Treibhausgase werden überdies für jedes produzierte Barrell Öl in die Atmosphäre geblasen. Kanada kann seine Klima-Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll nicht erfüllen.

Computer haben Blut an den Tasten
Der Abbau von Metallen für die Mikroelektronik tötet Menschen und Menschenaffen

Coltan

Für die Computerherstellung werden 30 Metalle benötigt, darunter Gold, Iridium, Platin, Germanium – und Tantal. Das ist im Roherz Coltan enthalten, das nur an wenigen Plätzen der Welt zu finden ist. Wer hier Schürfrechte besitzt, hat die Lizenz zum Gelddrucken. Vor allem im Kongo, dem Land mit 80 Prozent des Coltan-Weltvorkommens. Die kongolesischen Bergwerke produzieren die Hälfte der jährlich weltweit 1400 Tonnen. Schwerpunkt des Abbaus ist die Kivu-See-Region. In Bergwerken ohne Sicherheitsstandards sterben Tausende Männer, Frauen und Kinder. Auch die Berggorillas haben keine Chance: Das Coltan liegt genau in ihren letzten Rückzugsgebieten. Zur Versorgung der Arbeiter mit Fleisch werden sie gejagt.

Kupfer

Die Staubwolke ist aus dem All deutlich zu erkennen: Sie schwebt über der größten Kupfermine der Welt in der chilenischen Atacama-Wüste. Ihr Name: »Escondida« (die Versteckte). 15 000 Bergarbeiter sprengen hier täglich Bergwände, transportieren Geröll und schmelzen das Kupfer. Das 120 Quadratkilometer große Gebiet weitet sich unablässig aus, die nahe Stadt Chuquicamata mit 20 000 Einwohnern ist unter Abraumhalden verschüttet, die Menschen umgesiedelt. Das ist gut für sie, denn der giftige Mineralstaub in der Luft ist gesundheitsschädlich. Die 3000 Meter hoch gelegene Mine fördert jährlich 1,5 Millionen Tonnen Kupfer, das als Flüssigschlamm über Rohre in die Hafenstadt Coloso geleitet und von dort in alle Welt verschifft wird, vor allem nach China. Gewaltige Mengen giftigen Abraums bleiben zurück.

Uran

Die »Ranger«-Uranmine im nordaustralischen Kakadu-Nationalpark ist die zweitgrößte Uranmine der Welt: Im Tagebau werden hier jährlich knapp 6000 Tonnen Triuranoxid gewonnen – ein Siebtel der Weltproduktion. Die UNESCO hat den 20 000 Quadratkilometer großen Nationalpark in die »World Heritage List« aufgenommen und zum Weltkulturerbe erklärt. Jetzt wird er am Uranabbau zugrunde gehen. Für ein Kilogramm Uran müssen 2,5 Tonnen Erz abgebaut werden, die Gesteinsabfälle enthalten 85 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität. Zu Sand zermahlen und mit Wasser bedeckt werden sie in offene Rückhaltebecken geschüttet, die bei Hochwasser überlaufen und das Land radioaktiv verseuchen.

Gold

An 19 500 Orten der Welt wird Gold abgebaut, 40 Prozent der jährlichen Weltförderung von 2600 Tonnen stammen aus Südafrika, den USA, Australien und Russland. Der ergiebigste Einzelfundort ist die Yanacocha-Mine in Nordperu, die glänzendste Wunde der Erde. Auf 251 Quadratkilometern werden hier im Department Cajamarca in 4000 Meter Höhe 2,5 Millionen Unzen Gold jährlich gewonnen. Dafür müssen riesige Mengen Gestein gesprengt werden: Eine Tonne enthält ein Gramm Gold, für einen Ehering werden 20 Tonnen Abfall produziert: Das Gold wird mit Zyanid aus dem Boden extrahiert, das die Luft und das Grundwasser vergiftet.

Rindfleisch aus dem Regenwald
Gigantische Rodungen verändern das Weltklima

Regenwälder sind die Klimaanlage der Erde. Stellt man die aus, wird’s heiß. Denn die Urwälder nehmen nicht nur das Treibhausgas CO2 auf, sondern produzieren auch Dunstwolken, die die Erdoberfläche vor allzu starker Sonneneinstrahlung schützen. Brasilien besitzt den größten Regenwald der Welt, und das Land ist seit Kurzem außerdem der größte Rindfleischexporteur der Welt. Die Rechnung ist einfach: Rinder her, Bäume weg. Die Zahl der Tiere ist in den letzten zehn Jahren von 34 Millionen auf 73 Millionen gestiegen, der Regenwald um 857 666 Quadratkilometer geschrumpft – 20 Prozent seiner Ursprungsfläche. 90 Prozent des Waldes werden illegal gefällt; Verbote helfen wenig, denn der Regenwald ist »terra sem lei« – Land ohne Gesetz, viel zu groß für wirksame Kontrollen. Noch drastischer sind die Verhältnisse auf den Inseln Borneo und Sumatra, nach Brasilien die wichtigsten Regenwaldgebiete der Erde. Von ursprünglich 95 Prozent ist der Bewuchs auf 50 Prozent zurückgegangen, im Jahr 2020 wird er gänzlich verschwunden sein – ersetzt durch die Anpflanzung von Ölpalmen und Eukalyptus, die für die Kosmetik- und Zellstoffindustie exportiert werden.

Wie eine vollständig abgeholzte Regenwaldinsel von oben aussieht, schildern Astronauten: Madagaskar scheint auszubluten. Die Flüsse fließen rot dem Indischen Ozean entgegen. Der Grund: Durch die Abholzung sind die Waldböden als Schlammlawinen in die Flusstäler gerutscht. Nichts wächst mehr: Das ehemalige Reisexportland muss heute Reis einführen. Fast unbeachtet von der Weltöffentlichkeit sind die Mangrovenwälder an den Küsten Ecuadors verschwunden. Ein einzigartiges Ökosystem von 255 000 Hektar Größe wurde den Shrimps geopfert: Medikamente und Kraftfutter für die Intensivzucht vergiften die Küstengewässer.

Unter China brennt die Hölle
Glimmende Kohleflöze unter der Erde schleudern Unmengen CO2 in die Luft

An der Nordgrenze Chinas in der Provinz Ningxia, wo sich die größten Kohlevorkommen der Welt befinden, brennt es auf 5000 Kilometer Länge. Unterirdisch. Dicht unter der Erde glimmen die Kohleflöze, pro Jahr entweichen so 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch Erdspalten in die Luft – viermal so viel, wie der deutsche Autoverkehr produziert. In China weiß man schon lange um das Problem, die Weltöffentlichkeit kennt es erst seit Kurzem. China fördert 35 Prozent der weltweiten Kohle (eine Milliarde Tonnen), trotzdem reicht es nicht für den eigenen Bedarf. Um die Produktion zu steigern, wurden in den 1990er Jahren 24 000 der 28 000 Bergwerke als Familienbetriebe privatisiert. »Wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen entzündete sich Kohle unterirdisch, die Glut verbreitet sich rasend schnell«, erklärt der chinesische Geologe Jianwei Ma. An manchen Stellen ist die glühende Kohle unter der Erdoberfläche zu erkennen, Straßen schmelzen und sacken ab. 750 Brandherde wurden bisher entdeckt, die bis mehrere hundert Meter tief und 20 Kilometer lang sind. Insgesamt glüht die Erde auf 35 000 Hektar. Ein Mittel zur Eindämmung gibt es bisher nicht.

Das ewige Eis verlässt uns
Die Polkappen schmelzen ab, die Gletscher verschwinden

Im Spätsommer 2007 öffnete sich erstmals seit Menschengedenken die Nordwestpassage für Schiffe, die keine Eisbrecher sind. Die direkte Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik ist seitdem Realität. Grund: Das arktische Eis schmilzt. Im Sommer 2007 hatte es nur noch eine Ausdehnung von 4,1 Millionen Quadratkilometern, 22 Prozent weniger als zwei Jahre zuvor. Das Packeis im Nordpolarmeer, die schwimmende Eiskappe der Arktis, wird in 50 Jahren weg sein. Das Eis am Nordpol schmilzt mit einer Geschwindigkeit, die vor zehn Jahren kein Wissenschaftler für möglich gehalten hätte. Ähnliches geschieht am Südpol. Das Abschmelzen der Antarktis hat 2002 mit dem Abbruch des Larsen-Schelfs seinen vorläufigen Höhepunkt erlebt: Eine Eisplatte von 3250 Quadratkilometer Größe treibt seitdem dem Auftauen entgegen.

Für den Anstieg des Meeresspiegels ist Grönland von größter Bedeutung. Hier ist die Temperatur seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts um 2,5 Grad Celsius gestiegen. Unter dem Eispanzer haben sich Bäche gebildet, die das Eis von unten her auftauen. Das Süßwasser Grönlands, 20 Prozent der Weltreserven, ergießt sich in das Salzwasser des Nordatlantiks. Bei einem Abschmelzen Grönlands steigt der Meeresspiegel um sieben Meter. Da 70 Prozent der Weltbevölkerung in Küstennähe leben, wird ab 2050 mit 200 Millionen Hochwasserflüchtlingen gerechnet. Die Eisschmelze auf dem Festland ist ebenfalls verheerend. Die zweitgrößte Eismasse der südlichen Erdhalbkugel, Patagonien in Südamerika, verliert jährlich 30 Kubikkilometer ihres Volumens. Im Himalaya sind 6500 Gletscher auf dem Rückzug. Das hat Auswirkungen auf die Wasserversorgung der Mongolei, Afghanistans, Pakistans und des westlichen Chinas. Flüsse, die hier entspringen, drohen zu versiegen, unter anderem Ganges, Indus, Brahmaputra, Mekong und Jangtse. Der spektakulärste Gletscherschwund vollzieht sich am Äquator: Die weiße Kuppe des Kilimandscharo (5895 m), höchster Berg Afrikas in Tansania, ist fast gänzlich abgetaut.

Müllkippe Meer
In den Ozeanen schwimmen zehn Meter dicke Abfallteppiche

Manila, Managua, Kairo, Mexiko City: Am Rand vieler Riesenstädte entstehen Müllhalden von bisher unbekannten Ausmaßen. Die Millionen Menschen, die darauf und davon leben, werden von Soziologen »Müllmenschen« genannt. Müllsuchen ist ein gnadenloser Konkurrenzkampf. Da es keine staatliche Aufsicht gibt, wird das Leben auf den Müllbergen von einer Art Müllmafia kontrolliert, an die jeder einen Teil seiner Funde abliefern muss. Und es ist ungesund: Die meisten sind krank, die Lebenserwartung niedrig. Das Schlimmste, sagen alle, ist der Rauch, der aus dem Feuern im Abfall züngelt und ihre Lungen vergiftet.

Die größte Müllhalde der Welt jedoch schwimmt zwischen Hawaii und Nordamerika, den »Rossbreiten« des Pazifiks. Flaschen, Tüten, Einmalrasierer – alles Denkbare befindet sich darunter. Die Ausmaße der Plastikteppiche sind nicht exakt bekannt: Sie können bis zehn Meter unter die Wasseroberfläche reichen.

Auf allen Meeren der Welt dümpelt Plastikmüll: Zehn Prozent der 225 Millionen Tonnen Kunststoff, die weltweit pro Jahr produziert werden, landen im Meer; bisher wurden 100 Millionen Tonnen geortet. Ein Fünftel stammt von Schiffen, der Rest gelangt mit dem Wind oder über Flüsse von Müllhalden und Industrieanlagen in die Ozeane. Eine Million Seevögel gehen jedes Jahr daran zugrunde: Wind, Wellen und die UV-Strahlen lösen die Kunststoffe mit der Zeit auf, dabei werden giftige Styrol-Verbindungen frei.

Mit den Mammuts kommt das Methan
Das Auftauen der Permafrostböden: eine Zeitbombe

Archäologen sind begeistert: Die sibirische Tundra taut und gibt ihre Schätze frei – Mammutknochen, Skelette von Wollnashörnern und Löwen tauchen auf. Die Knochenjagd ist zu einem paläontologischen Goldrausch geworden: Für einen Mammutkopf mit zwei Stoßzähnen zahlen Sammler 23000 Euro, für einen Stoßzahn 15000 Euro. Für andere Forscher ist das Auftauen der Permafrostböden eine Zeitbombe. Denn aus den Permafrostböden (Erde, die nie auftaut und auf der nichts wächst) entweichen durch die globale Erwärmung Klimagase, die weit gefährlicher sind als Kohlendioxid: Methan (Erwärmungspotential: 20-mal so hoch wie das von CO2) und Distickstoffoxid (300-mal so hoch). Milliarden Kubikmeter davon befinden sich im Boden – noch weiß niemand, wie schnell die auftauende Erde Sibiriens ihre eingelagerten Gase freisetzen wird. Aber dass die Zeitbombe scharf ist, kann man mit bloßem Auge sehen: Aus den Seen, die sich auf den ehemals gefrorenen Böden bilden, blubbert das Methan hervor.

 

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